Tenside

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Unter Tensiden (= waschaktive Substanzen) versteht man die reinigende Komponente in Shampoos, Duschgels, usw., aber auch das Verbindungsstück (Emulgatoren) zwischen Fett und Wasser in Cremes und Lotions.
Sie bewirken, dass zwei eigentlich nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Öl und Wasser, vermischt werden können.


Aufbau von Tensiden

Alle Tenside sind nach demselben Prinzip aufgebaut, sie besitzen einen polaren und einen unpolaren Teil.
Der unpolare (hydrophobe) Teil steht für einen (linearen, verzweigten oder ringförmigen) Kohlenwasserstoffrest. Tenside werden aber im Allgemeinen nach Art und Ladung des polaren (hydrophilen) "Kopfs" klassifiziert. Hierbei können vier Gruppen unterschieden werden: anionische, kationische, amphotere und nichtionische Tenside.

Anionische Tenside

Die schärfste Tensidgruppe ist die Gruppe der Anionischen Tenside, sie lässt sich sehr gut am Namen erkennen. Sie beinhalten immer ein Gegenkation, daß sich leicht finden läßt. Meist ist es Natrium (engl. Sodium) oder Ammonium.
Diese Tenside heißen z.B. Sodiumlaurylsulfate (SLS), Sodium Laureth Sulfate (SLeS), Ammoniumlaurylsulfat (ALS), Sodiumcocosulfat, Sodium Lauryl Sulfoacetate, ...

Wenn man diese schärferen Tenside noch unterscheiden will, muss man auf die Art des Tensids schauen. Dabei sind die Fettalkohol(ether)sulfate scharf, also z.B. Natriumlauryl- und -laurethsulfat. Die Endung "-eth" steht hier für "Ether".

Daneben gibt es noch viele andere, wobei die bekanntesten dann noch die Succinate sind, z.B. Disodium Laureth Sulfosuccinate.

Alkylcarboxylate (Seifen)

Seifen gehören in die Gruppe der anionischen Tenside, auch wenn sie sich in vielerlei Hinsicht anders verhalten. Das Seifenmolekül ist viel größer als die Moleküle der oben genannten anionischen Tenside.
Seifen, die wohl ältesten Wasch- und Reinigungsmittel, sind die Kalium-/Natriumsalze höherer Fettsäuren. Bei der Auflösung im Wasser, werden die (Kalium- oder Natrium-) Ionen abgespalten. Zurück bleibt die polare Carboxylat-Gruppe (COO-) und der unpolare Teil, d.h. die Kohlenstoffkette, die dranhängt. Unpolarer und polarer Teil sind die Eigenschaften eines Tensids
z.B. Sodiumcocoate, Sodiumpalmate, Sodiumolivate.

Eventuelle Nachteile von Seifen, je nach Anwendungsgebiet:

  • Seifenlösung ist alkalisch
  • Beim Waschen in hartem Wasser verbinden sich die Calcium- bzw. Magnesiumionen des Wassers mit den Seifenanionen zu Kalkseife (schwer lösliches Salz).

Hierbei werden Seifenanionen verbraucht und die Waschwirkung der Seifenlösung geht somit verloren. Durch Zusatz von einer genügend großen Menge an Seife kann zwar die Waschwirkung wieder hergestellt werden, jedoch lagert sich die Kalkseife im Haar ab. Der Bildung von Kalkseifen kann mit einer sauren Rinse entgegengewirkt werden, da sich der Kalk in sauren Lösungen löst und somit herausgespült wird.

Die Bildung von Kalkseifen ist bei der Tadelakt-Herstellung übrigens durchaus erwünscht.

=> Seife als Alternative zu Schampoo

Kationischen Tenside

Kationische Tenside sind nicht scharf, aber teilweise hautreizend oder irritierend. Sie sind hauptsächlich in Spülungen enthalten, da sie primär nicht zum Reinigen sind. Diese Tenside legen sich um das Haar und lassen die Oberfläche dadurch glatter erscheinen.
Meist sind diese Tenside quatäre Ammoniumverbindungen. Wenn sie das Wort "Ammonium" im Namen tragen ist es aber meist in der Mitte des Namens und nicht am Anfang, wie bei den anionischen Tensiden. Auch Quats und Polyquats gehören zu dieser Gruppe. Teilweise kann man sie an dem Gegenanion im Namen erkennen, z.B. Chlorid => Cetrimonium Chlorid, Behentrimonium Chlorid.

Einige Kationische Tenside haben eine biozide Wirkung und werden deshalb als Desinfektionsmittel eingesetzt, z.B. Benzalkonium Chlorid

Amphotere Tenside

Amphotere Tenside enthalten sowohl anionische wie auch kationische Gruppen im hydrophilen Molekülteil und verhalten sich demnach je nach pH-Wert wie Anion- oder Kationtenside. Es sind schwächere Tenside, sie enthalten kein Gegenkation am Anfang des Namens, sie gelten als Co-Tenside. Dazu gehören z.B. die Betaine (Cocamidopropyl Betain).

Nichtionische Tenside

Nichtionische Tenside (Niotenside) bilden in wässriger Lösung keine Ionen. Sie haben einen polaren und einen unpolaren Teil, jedoch keine partielle Ladung und sind damit neutral.

Die Saponine, z.B. aus dem Seifenkraut und der Waschnuss, gehören ebenfalls in die Gruppe der Niotenside.

Niotenside haben gegenüber anionischen Tensiden einige Vorteile, sie sind:

  • weniger härtempfindlich als anionische Tenside
  • hautfreundlicher (sind die wohl mildesten Tenside, da sie keine negative Ladung haben und die Aggressivität der Tenside hauptsächlich von deren Polarität abhängt)
  • nicht toxisch
  • vollständig biologisch abbaubar
  • aus nachwachsenden Rohstoffen herstellbar

Der einzige Nachteil liegt zur Zeit noch in den verhältnismäßig hohen Produktionskosten.
Sie heißen z.B. Polyglycolether, Decyl Glucoside, Coco Glucoside (ein Zuckertensid).