Läuse

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Heute muss sich niemand mehr eine Glatze wegen ein paar Läusen scheren lassen! Ein Lausbefall hat genauso wenig etwas mit mangelnder Hygiene zu tun, häufiges Haare waschen schützt nicht vor Läusen, man hat nur sauberere Läuse.
Läuse lassen sich zum Glück auf vielfältige Weise bekämpfen, auch wenn sie gegen viele Mittel resistent geworden sind.

Symptome

Das erste und häufigste Symptom ist der starke Juckreiz.

Diagnose

Zur Untersuchung scheitelt man die Haare Stück für Stück und schaut, am besten mit einer Lupe, nach Läusen und Nissen. Nissen finden sich hauptsächlich an den Schläfen, hinter den Ohren und im Nacken. Läuse sind schwieriger zu entdecken, da sie recht schnell und lichtscheu sind.

Man kann zur Diagnose auch zuerst die Haare mit einer starken Essigspülung (siehe Rezepte weiter unten) behandeln und anschließend das Haar kräftig mit Conditioner einschäumen. Den Conditioner nicht auswaschen, sondern die Haare in diesem Zustand mit einem Nissenkamm bearbeiten. Durch die Essigspülung wurde der Klebstoff gelöst, der die Nissen am Haar hält und der Conditioner bewirkt, dass sich erstens die Haare gut kämmen lassen und zweitens die Läuse in dem Matsch bewegungsunfähig sind.
Achtung: Sobald die Biester trocknen, werden sie wieder munter!

Allgemeine Infos zu Läusen

Läuse gehören zu den Insekten, sind 2 bis 3.5mm lang und müssen alle 1-3 Stunden Blut saugen. Sie verhungern nach etwa 24 Stunden.
Ihre Stiche führen, durch den beim Stich übertragenen Speichel, zu Juckreiz und Rötungen. Durch Kratzen besteht die Gefahr, dass die Wunde mit Bakterien und Pilzen infiziert wird. Das kann zu geschwollenen Lymphknoten im Halsbereich führen.
Die Eier der Läuse, Nissen genannt, sind 0.8mm lang und kleben am Haar dicht an der Kopfhaut.
Aus den Nissen schlüpfen nach 8 Tagen Läuse. Das Läuseweibchen ist nach dem Schlüpfen nach 14-21 Tagen geschlechtsreif und klebt neue Nissen an die Haare.
Die Lebensdauer einer Laus beträgt 25 bis 30 Tage. Ein Läuseweibchen kann in seinem Leben bis zu 260 Nissen ablegen!
Die ideale Temperatur für Läuse beträgt 35°C.

Zoologische und entomologische Daten

Ordnung: Phthirapta (Tierläuse)
Unterordnung: Anoplura
Arten: Pediculus corporis, P. capitis, Phthirus pubis (Kleider- und Kopflaus, Filzlaus)

Vorkommen an behaarten Stellen des menschlichen Körpers; meistens im Kopf-, jedoch auch in Scham- und Gesichtshaar.
Kleiderläuse leben bevorzugt in körpernahen Wäschestücken, meist in Nähe der Nähte. Dort werden auch etwa 80% der Eier abgelegt.
Die Kopflaus legt ihre Eier (Nissen) in Kopfhautnähe ab. Nissen können mit Essigwasserspülungen und anschließendem gründlichen Kämmen mit einem Läuse- oder Staubkamm entfernt werden - sie halten ansonsten auch abgestorben sehr lange am Haar.
Filz- oder Schamläuse (Phthirus) werden meist beim Geschlechtsverkehr übertragen; ihre Eier legen sie bevorzugt im behaarten Schambereich ab.

Durchschnittliche Lebensdauer: etwa 30 Tage. Von der Eiablage bis zum Schlüpfen vergehen durchschnittlich 25 Tage. Innerhalb von 20 Tagen kann sich eine Läusepopulation am Menschen verzehnfachen.
Besonderheiten in der Anatomie: Sechsbeinig, flügellos, verkürzte Fühler. Plattgedrückt erscheinender Körper mit in der Insektenwelt einzigartigen Mundwerkzeugen; vereinfacht gesagt bestehen die Mundwerkzeuge aus einer Stachelhöhle und einem Saugstachel, den man sich ähnlich einer Kanüle vorstellen kann. Dieser Stachel ist unverhältnismäßig lang, kann aber vollständig eingezogen werden. Die Mandibeln (zangenartige Mundwerkzeuge der Insekten) sind dagegen reduziert. Zum Greifen und Festhalten ausgebildete Beine.

Saugvorgang

Beim Einstich in die Wirtshaut (= Kopfhaut) wird der zusammengefaltete Oberlippentunnel der Laus umgestülpt; hierbei spreizen sich die darin befindlichen Hakenzähne, mit denen sich die Laus am Wirt verankert. Der Saugstachel wird ausgefahren, bis die Laus auf ein blutführendes Gefäß trifft; dabei wird ein Sekret aus zwei Paar im vorderen Körperteil (Thorax) der Laus liegenden Speicheldrüsen abgegeben und in die Wunde ausgeschieden. Dieses Sekret verursacht den Juckreiz bzw. bei Befall mit Phthirus kleinflächige Blutergüße; im schlimmsten Fall können durch Hautreaktionen Ekzeme entstehen.
Ferner können Krankheiten übertragen werden. (Anmerkung: mein entomologisches Fachbuch von 1973 erwähnt u. a. Fleckfieber - es handelt sich also um ernste Krankheiten!)

Übertragung

Die Übertragung erfolgt praktisch nur durch direkten Kontakt von Kopf zu Kopf und nur äußerst selten über Gegenstände wie Mützen, Stofftiere, Polstermöbel.
Eine Ansteckung durch Haustiere ist nicht möglich.

Besonderheiten

Sehr schnelle Fortbewegung: Pediculus erreicht auf Papier eine Geschwindigkeit von 23cm je Minute, Schweineläuse bis zu 58cm. Dies erklärt u. a. die rasche, seuchenähnliche Ausbreitung von Läusen in Kindergärten und Schulen.
Überdies sind Läuse aufgrund ihres Körperbaus recht druckresistent: auf eine Schweinelaus müssen etwa 1,6 kg Druck von oben ausgeübt werden, um tödlich zu wirken.
Gefunden wird der Wirt über Licht- und Geruchssinn so wie über Temperatur. Fiebernde und tote Wirte werden verlassen.

Vorbeugende Maßnahmen

Zur Abschreckung gibt es mehrere Möglichkeiten, sie wirken alle nicht zu 100% zuverlässig. Wenn ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht, lieber öfter mal auf Lausbefall kontrollieren.

  • Läuse meiden frisch gefärbtes Haar, sowohl Naturfarben (Henna) als auch chemische Farben halten Läuse eine Zeitlang vom Kopf fern
  • Verwendung von Weidenrindenshampoo
  • Häufige Ölkuren, z.B. Kokosöl mit etwas ätherischem Öl
  • Verwendung von Schampoos mit ätherischen Ölen (siehe Rezepte weiter unten)
  • Ätherische Öle gegen Läuse:
    • Eukalyptus (Eukalyptus globulus)
    • Geranium (Pelargonium Graveolens)
    • Lavendel (Lavendulae Angustifolia)
    • Lemongras (Cymbopogon citratus = Andropogon citratus)
    • Nelke (Syzygium aromaticum)
    • Oregano (Origanum vulgare = Origanum creticum Loureiro)
    • Rosmarin (Rosmarinus officinalis)
    • Thymian (Thymus vulgaris)
    • Zimt (Cinnamomum cassia, Cinnamomun zeylanicum u.a.)
    • Zitrone (Citrus limon)
    • Teebaumöl (Melaleuca Alternifolia) Achtung: Allergien sind häufig
    • Niemöl (Azadirachta indica = Melia azadirachta = Antelaea azadirachta)

Mittel gegen Läuse - wie werde ich die Tierchen wieder los?!

  • Paranix: Läusemittel aus der Apotheke bestehend aus Kokosöl, Anisöl, Ylang-Ylang (gegen Hautirritationen) - kann man auch selbst anmischen, physikalische Wirkung durch ersticken der Läuse
  • Spezielle silikonhaltige (Dimethicone) Läuseschampoos aus der Apotheke, physikalische Wirkung, ersticken der Läuse
  • diverse pestizidhaltige Mittel mit Wirkstoffen wie Pyrethrum (aus Chrysanthemen) in Goldgeist forte, Allethrin in Jacutin N, Permethrin in Infectopedicul und viele mehr
  • Sabadillessig, als "Sabadill Urtinktur" in der Apotheke erhältlich und wird mit Essig verdünnt.
  • Wer sowieso regelmäßig die Haare chemisch färbt oder blondiert, kann bei einem Läusebefall einfach mal die Haare nachfärben. Gegebenenfalls später nochmal im Abstand von einer Woche eine Ölkur machen, damit evtl. neu aus nicht abgetöteten Nissen geschlüpfte Läuse gekillt werden.
  • Ölkur: Die Haare und vor allem den Haaransatz kräftig einölen (z.B. mit Kokosöl, der Ansatz sollte wirklich vor Öl triefen) und mehrere Stunden auf dem Kopf lassen. Durch das Öl werden die Tracheen der Läuse verstopft und die Biester ersticken. Die Ölkur muss etwa 2 Wochen lang alle 3 Tage wiederholt werden, um sicher zu sein, dass alle Läuse erwischt wurden.
  • Majo (gekauft oder selbstgemacht = Ei-Öl-Kur): siehe Ölkur
  • Kokosöl knackt die Kittsubstanz der Nissen und sie lassen sich leichter auskämmen
  • Essigrinse nach der Wäsche mit Läuseschampoo erleichtert ebenfalls das Kämmen und das auskämmen der Nissen
  • Wichtigstes Mittel im Kampf: Der Nissenkamm! Am Besten sind Kämme aus Metall geeignet.
  • Entfernung der Nissen: Nissen werden durch Waschen mit warmen Essigwasser (1 Teil 6%iger Speiseessig auf 2 Teile Wasser) mit einer Einwirkzeit von 10 min gelöst und anschließend mit einem feinen Läusekamm ausgekämmt. Diese Behandlung sollte solange wiederholt werden, bis wirklich restlos alle Nissen entfernt wurden. Die Haare sollten täglich über mindesten 2 Wochen auf Nissen und Läusefreiheit untersucht werden.

Rezepte

Haaröl

Vorbeugend und bei Befall zur Unterstützung im Kampf gegen Läuse
Zutaten:

  • 10 Tr. Eucalyptus citriodora
  • 10 Tr. Lavendel
  • 5 Tr. Geranium auf
  • 50 ml Wildrosenöl

Die Mischung in Haare und Kopfhaut einmassieren, den Kopf mit einer Plastiktüte oder Duschhaube umwickeln und nochmal ein großes Kopftuch drumschlingen (damit der Kopf schön warm bleibt). Die Ölmischung einige Stunden einwirken lassen, mit Shampoo auswaschen, eine Essigrinse hinterher und dann mit einem Läusekamm die Haare auskämmen.
Das Öl verstopft den Läusen die Tracheen, so dass diese ersticken. Durch die Ölkur werden die Nissen nicht abgetötet. Deshalb muss diese Prozedur etwa 2 Wochen lang alle 3 Tage wiederholt werden, um sicher zu gehen, dass auch alle Läuse erwischt wurden.

Schampoomischung zur Vorbeugung, Rezept vom Malinka (LHN)

  • 250 ml Babyshampoo (Marke egal)
  • Je 10 Tropfen Lavendel, Teebaum, Geranie, Kokos

Alles zusammen aufschütteln, fertig. Ganz normal bei der Haarwäsche als Schampoo verwenden.

Ölmischung zur Vorbeugung

  • 10 Tropfen Teebaumöl (Melaleuca alternifolia)
  • 10 Tropfen Lavendelöl (Lavandula angustifolia)
  • 10 Tropfen Rosengeranie (Pelargonium graveolens)
  • in 250 ml Shampoogrundlage (z.B. Babyschampoo)

Damit kann man vorbeugend die Haare waschen. Bei Kopflausbefall einshampoonieren, ein Handtuch um den Kopf wickeln und 15 - 30 Minuten einwirken lassen.
Beim Abspülen schwimmen die Läuse davon, aber die Nissen (Eier der Läuse) müssen ausgekämmt werden (siehe Essigrinse).

Haaröl gegen Kopfläuse

aus dem Buch von Maggie Tisserand "Die Geheimnisse wohlriechender Essenzen"

  • 25 Tropfen Rosmarinöl
  • 12 Tropfen Eukalyptusöl
  • 13 Tropfen Geranienöl
  • 25 Tropfen Lavendelöl
  • auf 100 ml pflanzliches Öl geben und mischen

Gründlich auf Kopfhaut und Haar verteilen, den Kopf gut in Haushaltsfolie einpacken und ein paar Stunden einwirken lassen. Dann die Haare gut auswaschen und mit einem Nissenkamm durchkämmen. Das ganze nach ein paar Tagen wiederholen.

Probleme beim Kampf gegen Läuse

  • Vorbeugende Shampoos und Ölmischungen wirken nicht 100%ig zuverlässig
  • Teebaumöl und auch andere ätherische Öle verflüchtigen sich sehr schnell, so dass die Wirkung schnell nachlässt
  • Gegen die chemischen Mittel sind viele Läuse resistent, z.B. Goldgeist forte hilft nur noch in den seltensten Fällen

Weblinks

Weiterführende Literatur

  • Prof. Dr. W. Hennig: Taschenbuch der Zoologie, Band 3, Wirbellose II - Gliedertiere
  • Alfred Kaestner: Lehrbuch der speziellen Zoologie, Band I: Wirbellose, 3. Teil: B