Färbung

Aus Langhaarwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die klassische Färbung ist auch unter den Namen „Oxidationshaarfarbe“, „Haarfarbe“ oder auch „Coloration“ erhältlich. Färbungen bestehen aus zwei Komponenten, die kurz vor der Anwendung gemischt werden: Der Farbcreme (in einer Tube) und dem Oxidationsmittel.
Man kann beides einzeln kaufen oder auch als komplettes Set. Bekannte Färbungen sind zum Beispiel „Koleston“ von Wella, „Topchic“ von Goldwell, „Majirel“ von L’Oreal und „Nutrisse“ von Garnier.

Anwendungsgebiete

  • leichte und kräftigere Veränderungen der Farbrichtung, zum Beispiel ein intensiver Rotton auf dunkelblondem Haar,
  • Abdeckung eines Weißanteils bis 100 %,
  • Beliebig starkes Abdunkeln gefärbter und ungefärbter Haare,
  • Aufhellen ungefärbter Haare um ca. 2 Tonhöhen,
  • Farbrichtung und Farbtiefe in einem Durchgang ändern.

Wirkung

Eine Färbung enthält, anders als eine direktziehende Tönung, wenig Fertigfarbstoffe und hauptsächlich Oxidationsfarbstoffe.
Deshalb muss die Farbcreme mit einem Oxidationsmittel gemischt werden, das eine Stärke von 6% bis 12% aufweist. In Ausnahmefällen reichen auch 3% oder sogar 1,9% (Pastellcoloration).
Außerdem enthält eine Färbung Alkalisierungsmittel, das benötigt wird, um die Schuppenschicht zu öffnen. So wird es den Oxidationsfarbstoffen ermöglicht, in das Haar einzudringen, wo sie mit Hilfe des Oxidationsmittels ausgebildet werden. Dadurch entstehen künstliche Farbpigmente, die chemisch mit dem Haarkeratin verbunden werden. Anders als die Fertigfarbstoffe befinden sich diese Pigmente also im Inneren des Haares und sind fest mit ihm verankert. Deshalb sind sie auch bei gesunden Haaren nicht auswaschbar. Wenn eine Färbung verblasst, geschieht das, weil sie auch einen Anteil Fertigfarbstoffe enthält, die ausgewaschen werden.
Zudem kann eine Färbung aufgrund ihres Oxidationswertes über 3% und ihrer im Vergleich zur Intensivtönung stärkeren Alkalität auch natürliche Pigmente aufhellen. Je höher der Oxidationswert ist, desto stärker ist die Aufhellung, da diese den Großteil des Oxidationsmittels benötigt. Das restliche Oxidationsmittel wird, wie bei der Intensivtönung, für die Bildung der Oxidationsfarbstoffe gebraucht.
Der Alkaliwert des Farbbreis sinkt schnell ab, wodurch zwar eine größtmögliche Schonung der Haare erreicht wird, allerdings ist dadurch auch nur in den ersten 10 – 15 min. eine Aufhellung gewährleistet. Wer eine stärkere Aufhellung möchte, muss zu einer Hellerfärbung greifen.

Da es sich bei Färbungen um alkalische Farbbehandlungen handelt, müssen nach dem Ausspülen der Färbung die Haare wieder „abgesäuert“ werden, d.h. der natürliche pH- Wert muss wiederhergestellt und die Schuppenschicht wieder geschlossen werden. Dazu benutzt man eine Spülung (die meisten Spülungen haben einen pH-Wert im sauren Bereich) oder eine Saure Rinse. Würde man auf das Absäuern verzichten, könnte es zu Haarschäden kommen oder die Färbung würde schnell verblassen bzw. sich um Teil schnell auswaschen.

Anwendung

Färbungen werden vor der Anwendung nach Packungsanleitung gemischt. Um ein optimales Ergebnis zu erreichen, sollte man sich an das Mischungsverhältnis halten! Meistens braucht man von beiden Komponenten die gleiche Menge oder die 1,5fache Menge des Oxidationsmittels. Es ist auch wichtig, beide Komponenten gründlich miteinander zu vermischen.

Der Farbbrei hat noch nicht die Farbe, in der er das Haar färbt! Dennoch sollte man zum Auftragen Handschuhe tragen, denn der entwickelte Farbbrei färbt auch die Haut und Textilien und kann sie auch angreifen.

Die Färbung wird mit einem Pinsel auf die sauberen trockenen Haare aufgetragen. Um die Kopfhaut weniger zu reizen, sollte die letzte Haarwäsche mind. einen halben Tag zurückliegen.

Grundsätzlich sollte die Färbung zuerst dort aufgetragen werden, wo die Farbveränderung am größten ist. Das kann der Ansatz sein, aber auch ausgewaschene Spitzen.

Die Färbung sollte 30 - 45 min. einwirken. Bei sehr strapazierten, hellen Haaren kann die Einwirkzeit auf 10 min. verkürzt werden.
Anschließend wird mit Wasser ausgespült. Auf Shampoo sollte man verzichten, eine Spülung oder Saure Rinse ist allerdings Pflicht!

Haltbarkeit

Eine Färbung wäscht sich nicht aus. Sie kann zwar an Leuchtkraft verlieren und verblassen, aber zur Naturhaarfarbe kommt man von alleine nicht wieder zurück.
Außerdem neigen auch Färbungen dazu, bei wiederholter Anwendung auf dunkler gefärbten Partien „abzusacken“, d.h. sie fallen dunkler aus. Möchte man seinen Ansatz dunkel nachfärben, reicht es, den Farbbrei nur die letzten 5 – 10 min. der Gesamteinwirkzeit in die angefeuchteten Längen und Spitzen einzukämmen. So werden die bereits gefärbten Partien auch geschont. Bei heller gefärbten Haaren sollte grundsätzlich nur der Ansatz nachgefärbt werden.

Die Haarstruktur beeinflusst die Haltbarkeit ebenfalls. Bei gesunden, wenig porösen Haaren bleibt eine Färbung länger leuchtend und satt als bei strapazierten, porösen Haaren. Letztere können aufgrund ihrer nicht intakten Schuppenschicht und Struktur die Farbpigmente schlechter halten.

Schädigung der Haare

Färbungen schädigen aufgrund ihrer Wirkungsweise die Haare immer und je höher die Konzentration des Wasserstoffperoxids ist, desto stärker schädigen sie die Haare. Deshalb sollte immer ein möglichst schwaches Oxidationsmittel benutzt werden.
Gefärbte Haare brauchen viel Feuchtigkeit und oft auch Proteine.

Schädigungen reduzieren

Haarschäden bei chemischer Färbung lassen sich durch die Formulierung und Wirkweise des Färbemittels leider nie ganz vermeiden (siehe letzten Abschnitt). Sie können aber reduziert werden!

Einige Tipps dazu:

  • Vorher Gedanken machen: steht mir diese Farbe? Will ich wirklich Farbton XYZ tragen, nur weil Popstar Soundso ihn grade auch hat? Bedenke: eine chemische Haarfarbe zu entfernen oder auch nur aufzuhellen ist ein extrem haar-, zeit- und geldbeutelstrapazierendes Unterfangen und kann leicht vermieden werden! Selbst wenn die Farbe gefällt: sie kann kaum noch entfernt werden und muss rauswachsen - und damits gut aussieht, muss regelmäßig der Ansatz nachgefärbt werden!
  • Bei Dunkelfärbung von grauem und blondem Haar auf die Grauabdeckung achten! Manche Produkte decken bspw. aschblondes Haar nicht ausreichend ab, so dass ein schmutziger, unattraktiver Schlammton statt dem gewünschtem Schokobraun entsteht. Merke: Grauabdeckung=Blondabdeckung.
  • Haarfarbe vorher an unaufälliger Stelle oder "Kämmleichen" testen - nimmt die Farbe gut an? Wird sie so wie gewünscht?
  • Wenn der Farbtest gut verlaufen ist, kann gefärbt werden; empfehlenswert ist leicht schmutziges Haar, da die Kopfhaut dann durch die leichte Talgschicht zumindest etwas Schutz vor den aggressiven Chemiekalien hat. Auch das Haar wird ein wenig geschützt.
  • Komplettfärbung: Haare vorher gründlich auskämmen - spart das Entwirren aufgeweichter, empfindlicher Haare nach dem Farbauftrag. Starte bei den Haaransätzen und arbeite Dich zu den Spitzen vor. Die Komplettfärbung muss bei der allerersten FÄrbung gemacht werden und danach nur noch alle 6 bis 12 Monate mal aufgefrischt werden (außer evtl. bei Rottönen).
  • Ansatzfärbung: muss, je nach Haarwachstum, Differenz Naturfarbe/Färbung und "persönlicher Schmerzgrenze" alle 3 bis 8 Wochen wiederholt werden, um nicht "verwildert" auszusehen. Auch hier wieder: leicht schmuddeliges, gut gekämmtes Haar ist am besten. Farbe gründlich auf den Ansätzen verteilen, Ansätze im Unterhaar nicht vergessen.
  • Es sollte eigentlich nicht gesagt werden müssen: halte Dich genau an die Anweisung auf dem Beipackzettel! Vor allem, was die Einwirkzeit betrifft.
  • Last but not least: Nach der Färbung sollte eine reichhaltige Kurpackung erfolgen.

Viel Spaß mit der neuen Haarfarbe!